Agile Methoden im Überblick

Es gibt mittlerweile unzählige agile Methoden auf dem Markt und es ist schwer, den Start zu finden. Dabei sind Kanban, Scrum und Design Thinking am weitesten verbreitet. Ich habe häufig erlebt, das Unternehmen direkt mit Scrum starten und ein Kanbanboard integrieren, ohne wirklich zu verstehen, was dahinter steckt.

Um die richtige Methode auszuwählen und mit der Umsetzung zu starten, hilft es, die Produkte und Herausforderungen auf der Stacey-Matrix einzuordnen.

Stacy-Matrix

Diese beschreibt die Klarheit der Methode oder Technik im Verhältnis zur Klarheit oder Übereinstimmung der Anforderungen. Sie wurde vom britischen Managementprofessor Ralph Douglas Stacey erfunden, der sich auf Organisationstheorie und komplexe Systemen spezialisiert hat.

Die einfachsten bzw. simpelsten Aufgaben sind solche, bei denen klar ist, waszu tun ist und wiees zu tun ist. Hierzu zählt beispielsweise die Buchhaltung. Du kennst die Prozesse und weißt genau, was zu tun ist, wenn eine neue Rechnung kommt. Es gibt hier selten offene Fragen oder Veränderungen, und die Tätigkeiten gehören zur Routine. 

Spannend wird es, sobald die Anforderungen unklar sind oder der zu verwendende Prozess offen ist. Es wird kompliziert, und wir brauchen einiges an Zeit, um die Kontrolle über die Situation und die Aufgaben zu erlangen. 

In einem komplizierten Bereich ist häufig unbekannt, welche Aufgabe als Nächstes kommt. Allerdings ist klar, wie mit dieser Aufgabe umgegangen wird. Ein gutes Beispiel ist ein Call Center, das Kundenanliegen bearbeitet. Der Kundenberater kann nie wissen, mit welchem Anliegen der Kunde anruft, allerdings wird er mit der Zeit für jedes Problem eine Lösung haben und kann die Anrufe einen nach dem anderen abarbeiten. Hier bietet sich eine Methode wie Kanban an. 

Wenn allerdings weder die Anforderungen noch der Prozess klar sind, wird es komplex. Die Gegebenheiten verändern sich immer wieder. Hier bietet sich ein hypothesengetriebenes Arbeiten an. Wir definieren, welchen Weg wir innerhalb der nächsten drei Wochen ausprobieren wollen, probieren ihn aus und überprüfen danach das Ergebnis. Wir lernen dann daraus und stellen die nächste Hypothese auf. Dieses Vorgehen wird z. B. durch Scrum abgebildet.

Wenn du beispielsweise neu in einer Stadt bist, ist die Straßenführung erstmal kompliziert. Mit ein wenig Übung wirst du sie allerdings meistern und ohne Probleme fahren können. Der Unterschied von kompliziert zu komplex ist die Ungewissheit in der Veränderung. Wenn es in diesem Straßensystem beispielsweise Straßen gibt, die abhängig von der Verkehrsdichte gesteuert werden, und aus einer normalen Straße, die in beide Richtungen befahren wird, auf einmal ab 9 Uhr eine Einbahnstraße wird und sich die Richtung dieser Einbahnstraße von 11 bis 12 Uhr dann auch noch ändert, wird das System komplex. Häufig wird das Wort „komplex“ inflationär verwendet und für Aufgaben benutzt, die eigentlich bloß kompliziert sind. 

Wenn wir allerdings so gar nicht wissen, ob und wie unser Produkt funktioniert, sind wir in einem chaotischen Bereich. Diesen Fall erlebe ich gerade, während ich dieses Buch schreibe. Ich hatte an einem entspannten Abend während eines Feierabendbiers gemeinsam mit einem Kumpel die Idee für eine App. Es war einer dieser Abende, an denen wir anfingen, groß zu denken. Uns war relativ schnell klar, dass wir hier von einer Idee sprechen, die mehrere Millionen Euro wert sein könnte. Allerdings gab es zwei große Fragezeichen: Ist die Idee technisch möglich? Und: Gibt es Kunden? In einem solchen Fall gibt es für mich nur zwei sinnvolle Möglichkeiten. Ich lege die Idee in eine Schublade und verfolge sie nicht weiter, oder ich baue einen Prototyp. Dafür bietet es sich an, eine Methode wie Design Thinking zu verwenden. Hier wird innerhalb von kürzester Zeit das Bedürfnis des Kunden analysiert und daraufhin ein Prototyp entwickelt. Dieser ist sehr rudimentär und an vielen Stellen weit weg von einer echten Funktionsfähigkeit. Solange er allerdings die Idee verifiziert und der Kunde ihn anfassen kann, erfüllt er seinen Zweck. Wenn die Kunden den Prototyp dann gut finden, wird er solange weiterentwickelt, bis wir aus dem chaotischen Umfeld in ein komplexes Umfeld wandern und wieder hypothesengetrieben arbeiten können.

Die Aufgabe eines Unternehmers ist es, das Team immer wieder von dem chaotischen Zustand aus über den komplexen und den komplizierten Bereich hin in den simplen Zustand zu überführen.Das führt immer wieder zu spannenden Herausforderungen, und gleichzeitig entsteht ein solides unternehmerisches Fundament. Nicht selten sind die simplen und leicht komplizierten Produkte die, mit denen ein Unternehmen den meisten Umsatz generiert.

Bevor du mit der Einführung von agilen Methoden startest, mach dir bewusst, in welchem Bereich sich dein Produkt aktuell befindet und welche Methode für dich geeignet ist.

Dein Fabian

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