Die agile Organisation

„Wir brauchen eine agile Organisation!“ – Diesen Satz hat vor einer Weile ein Top-Manager aus meinem Umfeld gesagt. Er war der festen Überzeugung, dass eine agile Organisation uns helfen würde, dass die Menschen ihr Potenzial besser ausschöpfen. Ich habe mich gefragt, wie Organisationen sich entwickelt haben und was eine agile Organisation sein könnte.

Die einfachste Form, sich als Team zu organisieren, gleicht der Organisation von Steinzeitmenschen. In der Urzeit haben wir in kleinen Gruppen in Höhlen gelebt und das Risiko, zu sterben, war extrem hoch. Der Anführer der Gruppe war oftmals ein starker Krieger (oder eine starke Kriegerin) und hat sich durch ständige Machtausübung den Gehorsam der Gruppe gesichert. Diese Gruppe oder kleine Organisation definierte sich über Angst und den Drang, zu überleben. Es gab keine strategischen Pläne. Der Fokus lag immer auf dem Beschaffen von Nahrung und dem Sichern des Überlebens. Desto größer Chaos und Angst sind, desto eher verfallen wir in diese Form der Organisation.

Die zweite Form der Organisation ist durch stark formalisierte Rollen innerhalb einer hierarchischen Pyramide gekennzeichnet. Es gibt klare Regeln und Prozesse, die immer wieder durchlaufen werden. Klassische Beispiel sind heutzutage Behörden, Schulen oder das Militär. Der Fokus liegt auf Stabilität. 

Die meisten Unternehmen, die heute am Markt agieren, nutzen die dritte Organisationsform. Diese ist leistungsorientiert. Das bedeutet, dass der Profit im Fokus liegt und es in der Regel Konkurrenzdenken und -kämpfe gibt. Eine solche Organisation funktioniert im Grundgedanken wie eine Maschine, die mit festgelegte Prozessschritte ein Produkt herstellt. Für jeden Prozessschritt sind bestimmte Ressourcen in Form von Material und Arbeitskraft (vom Menschen) notwendig. Der Manager der Maschine ist dafür verantwortlich, dass die Maschine zuverlässig Ergebnisse produziert. Die Menschen sind nur Ressourcen auf dem Papier und beliebig austauschar.

Zwischen der zweiten und der dritten Organisationsform liegt aus meiner Sicht die Industrialisierung. Als Frederick Winslow Taylor das Prinzip des Taylorismus begründete und von Henry Ford das Fließband eingeführt wurde, wurde die Arbeit in kleinstmögliche Schritte unterteilt. Aufgabe der Arbeiter war es nun, genau einen dieser einfachen und kleinteiligen Arbeitsschritte so auszuführen, wie vorgegeben. Mitdenken und Optimierungspotenziale aufdecken war nicht erforderlich, es herrschte eine strikte Trennung von „Hand und Kopf“, also von Denken und Handeln. Durch niedrige Produktpreise und relativ hohe Löhne eröffnete Ford den Weg zum Massenkonsum, der in Kombination mit den veränderten Arbeitsprozessen die Massenproduktion ermöglichte. Gesteigerter Konsum ging bei den Arbeitern also einher mit hoher Kontrolle und repetitiver Arbeit, sodass sie ihre Potenziale nicht entfalten geschweige denn sich beruflich entwickeln konnten. 

Im Laufe der gesellschaftlichen Entwicklung haben Arbeitnehmer immer mehr Verantwortung übernommen. Mittlerweile ist der größte Unterschied der heutigen Arbeitswelt zum Taylorismus, dass wir unsere Arbeit eigenverantwortlich erledigen möchten.

Das bringt uns zur vierten Organisationsform. Diese enthält zwar eine klassische Pyramindenstruktur mit klarer Hierarchie, allerdings verändern sich die Entscheidungsstrukturen. Die hierarchische Führungskraft (Beispielsweise der Geschäftsführer oder ein Bereichsleiter) gibt die Verantwortung für das Treffen einer Entscheidung an seinen Mitarbeiter ab. Je nach Aufgabe bildet sich ein neues Team aus den Menschen der einzelnen Abteilungen der Pyramide. Dieses Team erhält die Verantwortung für das Liefern eines bestimmten Ergebnisses. Es hat die Entscheidungskompetenzen und ist bereit, die Verantwortung zu übernehmen. Die Rolle der Führungskraft verändert sich, vom Entscheider und Manager hin zum Menschenentwickler. Du merkst es wahrscheinlich schon: Diese Form der Organisation fördert die Agilität.

Eine „agile Organisation“ ist demnach ein Umfeld, in dem Menschen Verantwortung übernehmen können und eigenständig Entscheidungen treffen. Der Fokus liegt auf den Werten und Prinzipien, die der Organisation zu Grunde liegen und auf der Art und Weise, in der wir miteinander interagieren.

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Dein Fabian

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