Der Rahmen einer agilen Organisation

Warum schaffen einige Unternehmen es, die besten Mitarbeiter an sich zu binden, kontinuierlich Innovationen zu liefern und immer weiter zu wachsen, andere hingegen nicht? 

Warum können Startups innerhalb kürzester Zeit das Geschäftsmodell eines etablierten Großkonzerns so verändern und neu erfinden, dass dieser signifikante Marktanteile verliert?

Warum produzieren viele Großkonzerne trotz Milliarden Euro und tausenden Mitarbeiter keine hochwertigen Ergebnisse? 

Die Antwort liegt in dem Rahmen, den das Unternehmen aufgebaut hat. Er besteht aus vier Ecken. Die erste Ecke ist das Warum des Unternehmens. Dieses ist die Energie, die das Unternehmung bewegt. Die Zweite Ecke ist die Vision des Unternehmens. Diese ist der Nordstern, an dem sich die Handlungen des Unternehmens ausrichten. Die dritte Ecke sind die Werte und Prinzipien, auf deren Basisjede Entscheidung und Handlung innerhalb des Unternehmens getroffen wird. Die letzte und vielleicht wichtigste Ecke ist aus meiner Sicht der Mensch, unser Miteinander und die eigene Verpflichtung (im Business auch oft Commitment).

In diesem Rahmen gibt es eine goldene Regel: Jede Idee sollte so schnell wie möglich umgesetzt werden, damit man messen kann, ob sie das gewünschte Ergebnis erzielt und man hinterher daraus lernen kann, um die Idee zu verbessern und wieder zu messen und wieder dazuzulernen. Um diesen Zyklus aus Bauen, Messen, Lernen immer schneller zu durchlaufen, müssen wir mutige Entscheidungen treffen, die Ideen immer am Markt und damit am Kunden erproben und die verfügbaren Ressourcen bestmöglich einsetzen. 

Wenn in einem Unternehmen Höchstleistung entstehen soll, dann muss der Rahmen genau diese Höchstleistung auch ermöglichen. Jeder Mitarbeiter des Unternehmens soll darin sein volles Potenzial ausschöpfen können. Jede Aktion eines jeden Menschen in einem Unternehmen bestimmt den Rahmen, und der Rahmen wiederum bestimmt die Aktionen der Menschen. Der Rahmen gibt Orientierung für die tägliche Arbeit und die Freiheit, jeden Tag das Beste zu erschaffen und mit Spaß Höchstleistungen zu bringen. 

Wahrscheinlich fragst du dich jetzt: Wie baue ich einen Rahmen auf, in dem Menschen ihr Potenzial ausschöpfen und Freude haben? 

Der erste Schritt ist, zu verstehen, dass du eine gewisse Verantwortung für den Rahmen trägst. Den größten Einfluss haben allerdings typischerweise die Führungskräfte. Deren Aufgabe ist in agilen Organisationen deutlich mehr menschen- und weniger managementorientiert. Während Management häufig bedeutet, dass Prozesse überwacht und Probleme gelöst werden, ist die Aufgabe einer modernen Führungskraft, Menschen zu inspirieren und deren Potenziale freizulegen.

Der Rahmen enthält beispielsweise eine Reisekostenrichtlinie. Diese ist in Konzernen oft seitenlang, und eine solche Reisekostenrichtlinie führte dazu, dass ich meine erste Festanstellung nach dem Studium wieder kündigte. 

Ich hatte eine Schulung von Mittwoch bis Freitag in der Nähe von München und damit den Jackpot gezogen – so glaubte ich. Denn mein Plan war, in München zu bleiben und dort das lange Wochenende zu genießen. In der BMW Welt wollte ich mir einen BMW M6 für das Wochenende mieten. Dazu muss ich kurz erwähnen, dass ich Autos liebe und dies ein Traum war, den ich mir schon lange hatte erfüllen wollen.

Ich schlug meinem Vorgesetzten vor, dass ich privat nach München fahre, die Hinfahrt als Reisekosten geltend mache und die Reise dann in München enden lasse. Diese Variante war zum einen für meine Firma günstiger, denn ich hätte weder einen Mietwagen noch ein Zugticket gebraucht und auch die Rückfahrt nicht abgerechnet. Zum anderen hätte ich ein tolles Wochenende genießen können und wäre am Montag froh und gestärkt wieder ins Büro gekommen. Eine Win-Win-Situation für alle Seiten. 

Aber aus irgendeinem Grund sagte mein Chef: „Du darfst die Reise nicht in München beenden, du musst wieder zurückkommen.“ Ich wusste, dass das nicht stimmt, denn ich hatte auf anderen Reisen schon genau das Gleiche getan. Er zog die Reisekostenrichtlinie zurate, und tatsächlich stand dort: „Die Reise muss an der ersten Tätigkeitsstätte enden.“ Im nächsten Abschnitt stand jedoch, dass mein Vorgesetzter mir dafür eine Ausnahmegenehmigung erteilen durfte. 

Ich bat ihn um eine solche Genehmigung, und er lehnte ab. Davon abgesehen, dass diese Diskussion eine ganze Weile dauerte und ich mich wirklich aufregte, weil das traumhafte Wochenende mit meinem Lieblingsauto, auf das ich mich so gefreut hatte, geplatzt war, stellte ich mir die Frage: Was bringt eine Führungskraft dazu, ihrem Mitarbeiter eine so triviale Sache zu verweigern? Für mich war es damals der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, und kurze Zeit später wechselte ich den Job. 

Ein paar Monate später las ich die Reisekostenrichtlinie von Spotify. Sie lautete: „Handle im Sinne des Unternehmens.“ Ein einziger Satz!

Solche kleinen Prozesse sind das perfekte Beispiel für einen Rahmen, der verändert werden sollte. Es sollte klar geregelt sein, bis wohin die Mitarbeiter frei entscheiden dürfen und wo es die Entscheidung des Vorgesetzten braucht. Nicht nur in Bezug auf Geld, sondern auf jedes entscheidungsrelevante Thema. Je klarer der Rahmen beschrieben ist, desto eigenständiger können sich die Mitarbeiter entfalten und Höchstleistungen erreichen.

Hierbei sollte der Rahmen so eng gefasst sein, dass die Mitarbeiter noch auf Ergebnisse fokussiert sind, und so weit, dass sie möglichst viel Freiraum haben. Wenn du beispielsweise Scrum als Methode verwendest, gibt Scrum viele Grenzen deines Rahmens vor. Beispielsweise, wie und wann welche Meetings durchgeführt werden oder welche Namen bestimmte Elemente haben.

Oftmals sind es die trivialen Themen, die für Unmut sorgen. Beispielsweise das Fehlen von Büromaterialien. Nehmen wir an, du benötigst morgen Klebezettel und Stifte, und da es der schnellste Weg ist, sie zu bekommen, kauft du sie privat im Internet und verlangst dann per Barauslage von deiner Firma das Geld zurück. Wie würde deine Führungskraft reagieren?

Mir ist wichtig, dass du verstehst, dass es immer einen Rahmen gibt. Der entscheidende Punkt ist, ob wir unser Umfeld, unsere Prozesse, unsere eigene Entfaltung bewusst wahrnehmen und steuern oder einfach passierenlassen. Sobald dir der Rahmen bewusst ist, wirst du immer wieder Momente haben, in denen du Grenzen erkennst. Dies kann die abgelehnte Reise sein oder auch der Moment, an dem du nicht bereit bist, Verantwortung für eine Entscheidung zu übernehmen. Dabei gilt in erster Linie immer dein persönlicher Rahmen. Dieser beschreibt deine Denkmuster und deine Einstellung. Wenn du in einem Meeting bist und gerne etwas sagen möchtest, dich aber nicht traust, weil du denkst, dass deine Meinung gerade nicht relevant ist oder nicht wertgeschätzt wird, hast du eine Grenze deines Rahmens entdeckt. Natürlich wirst du maßgeblich von deinem Unternehmen und der dort herrschenden Kultur geprägt. Diese ist ein elementarer Teil des Rahmens. 

Wenn sich das für dich interessant anhört und du den Rahmen deines Unternehmens stärken möchtest, schreib mir jetzt unter info@digital-nx.com

Dein Fabian

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