Vision erschaffen – Praxisbeispiel

Genau wie der Sinn eines Autos nicht ist, Benzin zu tanken, ist der Sinn des Unternehmens nicht, Geld zu verdienen. Der Sinn eines Autos ist, Menschen von A nach B zu befördern. Der Sinn eines Unternehmens ist, unseren Kunden von Punkt A (einem Problem) zu Punkt B (der Problemlösung) zu bringen. Dafür braucht es eine Vision und diese ist aus meiner Sicht ein häufig unterschätzter Aspekt in Unternehmen. 

Eine Vision sollte aus meiner Sicht zwei Merkmale haben. Zum einen liegt sie weit in der Zukunft, beispielsweise 25 Jahre. Zum anderen scheint sie auf den ersten Blick unerreichbar. Wenn Elon Musk davon spricht, dass wir als Menschheit auf dem Mars leben sollen, wirkt das erstmal unrealistisch. Trotzdem ist es sein Leitstern, auf den er mit der Firma SpaceX hinarbeitet. 

Als Kevin und ich letztes Jahr gegründet haben, haben wir lange und intensiv über unsere Vision gesprochen. Dabei haben wir immer wieder die Frage gestellt „Was hat sich im Jahr 2050 durch unser Handeln und durch unser Unternehmen verändert?“. Immer wenn wir eine Idee davon hatten, wie wir das erreichen konnten, haben wir tiefer gegraben. Es ist kein Thema, dass du innerhalb eines zweistündigen Meetings erledigst, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Ich bin auch der Überzeugung, dass die Vision nicht dieser eine perfekte Satz sein muss. Es können problemlos drei, vier oder sogar 10 Sätze sein.

Von Mal zu Mal wurde es für uns immer klarer und es haben sich drei Dimensionen gezeigt.

Der erste Teil unserer Vision ist der Mensch und die Lebensfreude. Im Jahr 2050 gibt es unzählige Unternehmen und Großkonzerne, in denen Menschen gerne Arbeiten. Mitarbeiterzufriedenheitsumfragen verändern sich dramatisch zum Guten und Studien zeigen, dass die Menschen wieder Sinn und Leidenschaft in ihrer Arbeit gefunden haben.

Der zweite Teil ist die Technologie. Im Jahr 2050 muss kein Mensch in der IT mehr einen Job machen, der wiederholend ist und ihn langweilt. Wir unterstützen die Unternehmen bei der Digitalisierung und der Automatisierung. Dadurch werden neue Arbeitsplätze entstehen, in denen Menschen ihr Potential ausschöpfen können.

Der dritte Teil ist die Umsetzung. Im Jahr 2050 haben wir ein Gründerzentrum aufgebaut, dass alle notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellt, damit Menschen ihre Ideen umsetzen können. Wir werden Teams aufbauen, die frei an ihren eigenen Ideen arbeiten dürfen und können. 

Wenn beispielsweise jemand auf die Idee für einen neue App kommt, möchten wir die Möglichkeit haben ihm unter die Arme zu greifen. Er kann Unterstützung von einem unserer Teams erhalten und erhält die notwendigen finanziellen Mittel. Wir helfen ihm sich zum Gründer und anschließenden zum Unternehmer zu entwickeln und das Produkt umzusetzen. Dabei liegt unser Fokus auf der Idee und dem Mensch. Anstatt seine Idee zu nehmen, möglichst viele Anteile daran zu erhalten und mitzureden, haben wir den Anspruch, dass ein eigenständiges Unternehmen entstehen kann. Unser Mehrwert sind die Menschen, die in unserem Unternehmen arbeiten, die Kultur, die sie entwickelt haben und die Art, wie sie arbeiten.

Während ich diese Zeilen schreibe merke ich, dass wir noch lange nicht am Ende unserer Reise sind und ich bin der festen Überzeugung, dass die Vision über die Jahre immer klarer werden wird. Doch bei einer Sache bin ich mir sicher: Die Lebensfreude bleibt ein zentraler Aspekt der Vision. 

Nun stellt sich natürlich die Frage, was wir mit dieser Vision machen? Natürlich erstmal visualisieren und dann im Büro eine schöne freie Wand suchen, an der wir sie aufhängen können? So habe ich es immer wieder in Konzernen erlebt. Anstatt die Vision greifbar und erlebbar zu machen, verstummt sie als Papiertiger in einer Schublade. 

Vor einer Weile durfte ich eine tolle Methode kennenlernen, um die Vision nachhaltig zu verankern. Hierbei handelt es sich um einen zweistufigen Prozess, der ein paar Stunden, ein Abendessen und Getränke enthält. 

Im ersten Schritt trifft sich das Team und beginnt Überschriften für Boulevardzeitungen zu schreiben. „9 von 10 Mitarbeitern lieben ihren Job!“, „Digital NX wird Arbeitgeber des Jahrhunderts.“, und so weiter und so weiter. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Desto verrückter die Headline ist, desto besser. Danach geht es über zu Schritt zwei. Geht in eine nettes Lokal, bestellt euch etwas gutes zu Essen und beginnt euch zu unterhalten. Dabei gibt es genau eine Regel: Jedes Gespräch findet ihm Jahr heute plus 10 statt. Jetzt gerade haben wir das Jahr 2019. Plus 10 bedeutet, dass wir im Jahr 2029 sind. Was ist alles passiert? Tut den gesamten Abend so, als wenn wir das Jahr 2029 hätten und ihr einen großen Schritt auf dem Weg zur Vision gemacht hättet. Was hat sich verändert? Wie fühlt es sich an zu arbeiten? Wie haben sich eure Produkte, eure Umsätze, euer Team verändert? 

Durch dieses intensive eintauchen in die Zukunft hilfst du deinem Gehirn dabei neue neuronale Bahnen zu entwickeln. Du veränderst einfach gesagt die Art, wie dein Gehirn die Realität wahrnimmt. Wenn du dir beispielsweise vorstellst, dass du in 10 Jahren ein Buch geschrieben hast und mit dem Buch unter dem Arm über den roten Teppich bei den Oscars gelaufen bist, dann wird dein Hirn auf einmal Möglichkeiten wahrnehmen, die dir dabei helfen könnten ein Buch zu schreiben. 

Diese Übungen werden wir jedes Jahr im Rahmen einer Neuausrichtung unseres gesamten Teams wiederholen und ich bin mir sicher, dass sie immer wieder neue Erkenntnisse und viel Spaß erzeugen wird.

Dein Fabian

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