Den ersten Mitarbeiter einstellen – Die Werte zählen

Als Kevin und ich die Digital Native Xperience GmbH gegründet haben, stand die Frage im Raum, wie groß „das Ganze“ werden soll. Ich habe Kevin angeschaut und gesagt: „Lass uns darüber sprechen, wie viele Mitarbeiter wir im Jahr 2035 haben.“ 50? 100, 250, 500, 1000 oder 5.000? – Ok, 5.000 hört sich schon ziemlich viel an. Bei 5.000 haben wir gestoppt und intensiv diskutiert. Am Ende haben wir uns darauf geeinigt, dass wir uns mit 500 – 1000 Mitarbeitern im Jahr 2035 gut fühlen.

Ich glaube, dass es gerade am Anfang wichtig ist, ein Gefühl dafür zu bekommen, wo unsere eigenen Limits liegen. Wenn wir irgendwann auf 500 Mitarbeiter gewachsen sind, durften wir so viel lernen, dass wir uns bestimmt auch vorstellen können, auf 5.000 Mitarbeiter zu wachsen. Bis es soweit ist und wir 500 Mitarbeiter haben, werden allerdings noch ein paar Jahre vergehen. Wichtig war für uns die Entscheidung, dass wir Mitarbeiter haben wollen und seitdem wir diese Entscheidung getroffen haben, hat sich einiges geändert. Ich habe angefangen überall potentielle neue Mitarbeiter zu sehen, allerdings ist es nie konkret gewesen, sondern mehr der Gedanke: Was wäre wenn?

Womit ich definitiv nicht gerechnet habe, ist schon 2019 unsere erste Mitarbeiterin, Lena, einzustellen. Unser Plan war ganz klar: Wir erarbeiten uns 2019 einen finanziellen Puffer, veröffentlichen ein Buch und ich halte meine Keynote auf der GEDANKENtanken-Bühne. Parallel dazu designen wir unsere Produkte. Wenn das alles erledigt ist, werden wir bestimmt merken, dass es sinnvoll ist jemanden einzustellen. 

In der Realität ist es anders gekommen. Vor ein paar Monaten bin ich von GEDANKENtanken gefragt worden, ob ich für eines der Produkte ein Feedbackvideo machen möchte. Da es sich hierbei um das Positionierungsbootcamp handelt, welches ich als hochwertiges und sinnvolles Produkt ansehe, habe ich natürlich ja gesagt. Eines Tages habe ich wie aus dem Nichts eine Nachricht von Lena bekommen, die ich ein paar Wochen vorher auf einem Seminar kennengelernt hatte: „Hey Fabian, ich habe dich im Webinar zum Positionierungsbootcamp gesehen.“ So klein ist mal wieder die Welt. Wir haben uns zum Telefonieren verabredet und nach fast zwei Stunden war für mich eine Sache klar: Wir müssen sie einstellen. Lena hatte mir gerade erzählt, was sie an ihrem aktuellen Job nervt und was sie gerne alles machen würde. Bei fast allen Punkten, für die sie Leidenschaft hat, dachte ich: Genau das brauchen wir. Also habe ich sofort Kevin angerufen und gesagt, dass er mit ihr sprechen muss. Gesagt getan und der Rest ist mittlerweile Geschichte. Sie wird im September bei uns in Vollzeit anfangen und somit unsere erste „richtige“ Mitarbeiterin werden. 

Zeit, um ein paar Fragen zu beantworten. Wie wollen wir als „Chef“ sein? Sind wir überhaupt „der Chef“ oder arbeiten wir auf Augenhöhe? Hat das überhaupt etwas miteinander zu tun? Vor allem die Frage nach der Transparenz hat mich nicht mehr losgelassen. Denn ich glaube, dass Transparenz unglaublich wichtig ist, um Vertrauen zu schaffen. Kevin und ich waren uns sehr schnell einig, dass es der richtige Weg ist, Lena zu 100% ins Boot zu holen. Denn ich bin der Überzeugung, dass sich alles sinnvoll argumentieren lässt.

Kevin und ich hatten früh für uns entschieden, dass wir niemals gegeneinander verrechnen werden. Nur weil einer für 20.000 Euro Seminare besucht hat, muss der andere nicht ebenfalls für 20.000 Euro etwas machen. Unser gegenseitiges Commitment ist, dass wir gemeinsam wachsen und irgendwann finanziell so erfolgreich sind, dass Geld keine Rolle mehr spielt. Der Antrieb ist von Anfang an die Leidenschaft für den Mensch, das Verändern von Arbeitsumgebungen zum Besseren und die Freiheit, die eigene Schöpferkraft zu nutzen.

Wir haben also für Lena Transparenz geschaffen, indem wir offengelegt haben, welchen Umsatz wir generieren, was wir ausgeben und wie hoch unsere eigenen Gehälter sind. Sie war davon sichtlich überrascht und hatte nicht mit so viel Vertrauen gerechnet. Aber mir ist es wichtig, damit sie ihre eigenen Möglichkeiten sieht. Wenn sie teure Seminare besuchen will, um sich selbst fortzubilden, dann kann sie das im Rahmen unserer Möglichkeiten tun. Falls wir dafür zuerst das Geld verdienen müssen, dann sollte auch das transparent sein. 

Ich habe häufig erlebt, dass ein Mitarbeiter in einem Konzern ein bestimmtes Budget für Schulungen zur Verfügung hat. Beispielsweise 2.000 Euro pro Jahr und sich dann aus einem Pool von internen Schulungen, welche aussuchen kann. Ich glaube solche Regelungen gehören der Vergangenheit an und sollten nicht pauschalisiert werden.

Wenn Lena beispielsweise pro Jahr mit ihrem Gehalt, Sozialabgaben, Infrastruktur und so weiter 60.000 Euro Kosten verursacht und wir durch ihre Leistung im gleichen Jahr 100.000 Euro Umsatz generieren, dann kann sie doch auch für 20.000 Euro Schulungen machen. Klar, wenn ich für 100.000 Euro Umsatz erstmal 30.000 Euro Marketingbudget investieren muss und Kosten generiere, verändern sich die Zahlen. Aber mal davon abgesehen, dass das eine pauschale Rechnung ist. Wenn sie Gewinn vor Steuern erwirtschaftet, dann kann sie davon doch profitieren. Wenn wir in sie investieren, profitieren wir doch wieder. Am Ende ist es für mich ein Kreislauf, in dem wir uns gemeinsam selbst verwirklichen und gemeinsam wachsen. 

Das ist aus meiner Sicht nur durch Transparenz und Vertrauen möglich und ich möchte jeden Mitarbeiter, vom ersten bis zum 5000. so behandeln und unterstützen. Das ist ein Teil meiner Vision. Ich möchte in meinen Werten immer volle Integrität haben und authentisch sein. Wie bist du mit der Einstellung deines ersten Mitarbeiters umgegangen?

Dein Fabian

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